Nachklapp zum Beatrix-Besuch Drucken E-Mail

Burgsteinfurt / Gronau - Da lebt man nur ein paar Kilometer voneinander entfernt - doch bei manchen Themen scheinen immer noch Welten zwischen deutschen und niederländischen Jugendlichen zu liegen. Zum Beispiel bei der Gewichtung politischer Themen: Hierzulande ist Atomkraft ein heißes Eisen, in den Niederlanden rangiert es unter „ferner liefen". Dort werden Schuldenkrise und Immigration diskutiert - hier stehen die Umwälzungen im Schulsystem (Stichwort „G8") auf Platz 1 der politischen Themen, die Jugendliche bewegen. Das ist gestern bei einer Debatte von Schülern des Siemens-Gymnasiums, des Gymnasiums Arnoldinum in Burgsteinfurt und des Lyceums „Het Assink" in Haaksbergen deutlich geworden.

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[Prof. Dr. Bernd Müller von der Landesvertretung NRW in Berlin moderierte das Gespräch. Angelica Schwall-Düren, Jens Spahn und Ingrid Arndt-Brauer (v. r.) diskutierten mit deutschen und niederländischen Jugendlichen. Fotos: (Martin Borck)]

 

Sie sprachen im Gronauer Gymnasium mit drei Politikern: NRW-Europa-Ministerin Angelica Schwall-Düren (SPD) und den Bundestagsmitgliedern Ingrid Arndt-Brauer (SPD) und Jens Spahn (CDU). Die Veranstaltung war ein Nachklapp zur Debatte im Rahmen des Deutschland-Besuchs von Königin Beatrix im April, an denen die Jugendlichen ebenfalls teilgenommen hatten (wir berichteten).

 

„Partizipation im deutsch-niederländischen Grenzgebiet - (k)eine Chance für die Intensivierung des Zusammenlebens in Europa!?" lautete der etwas sperrige Titel der Veranstaltung. Die Diskussion drehte sich darum, wie sich junge Leute politisch-gesellschaftlich einbringen und von den Möglichkeiten profitieren können, die Europa bietet.

Die Politiker nahmen die Jugendlichen dabei gleich in die Pflicht: „Ihr müsst sagen, was ihr wollt, und Formen finden, das einzufordern", so Schwall-Düren. „Wir liefern die Dinge nicht frei Haus. Ihr habt eine Hol-Schuld", meinte auch Spahn. Das Angebot an Informationen ist schließlich groß und die Voraussetzungen für einen Austausch sind ausgezeichnet, stellte Arndt-Brauer fest: „Es ist heutzutage ganz normal, ohne Kontrollen über die Grenze zu gehen. Vor 20 Jahren sah das noch anders aus." Dass diese Freiheit nicht selbstverständlich sei, zeige Dänemark. „Was bedeutet es, wenn Dänemark jetzt wieder Grenzkontrollen einführen will?" Fragen über Fragen, die auch im grenzüberschreitenden Dialog erörtert werden müssten.

Dieser Austausch kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Zum Beispiel über das Internet und Facebook, so ein Assink-Schüler - die Berlin-Fahrer nutzen das Medium bereits dazu.

Diskussionsthemen gibt es zur Genüge - vom Flughafen Twente über die Schulpolitik bis zur Atomkraft und Griechenlandkrise. Zur Diskussion ermunterten alle drei Politiker eindringlich: um andere Sichtweisen kennenzulernen, sich eine eigene Meinung zu bilden und dadurch - eventuell - auch zu Lösungen zu kommen.

Lösungen für die Themen, die gestern intensiver diskutiert wurden (Schuldenkrise Griechenlands und die Schulproblematik in Deutschland) wurden zwar nicht gefunden; immerhin kam es aber zu einer differenzierten Betrachtung der Probleme, die eine Ahnung von dem gaben, was Euregio-Geschäftsführer Harald Krebs eingangs gesagt hatte: „Politik ist interessant und spannend. Es lohnt sich, mitzumachen."

von Martin Borck, WN Gronau