Mit Max Mutzke auf Du und Du Drucken E-Mail

Gronau - Vollständig sind die Schüler des Musikkurses um 16 Uhr am Rock- und Popmuseum angetreten, neun Mädchen und sechs Jungs. Nur einer fehlt für das Treffen: Max Mutzke. Der Sänger ist auf dem Weg zu seinem Gala-Konzert in einen Stau geraten - Ende offen. Aber dann, mit anderthalb Stunden Verspätung, kommen sie doch noch zusammen, der Sänger und die Gymnasiasten.

Musiklehrer Thomas Welsch hat das Treffen organisiert. In seinem Musikkurs hat er Casting-Shows thematisiert. Also nutzte er die günstige Gelegenheit, dass ein Musiker nach Gronau kam, der durch eine Casting-Show bei Stefan Raab seinen Durchbruch geschafft hat.

111015_-_WN_Mutzke

Max Mutzke setzte sich ohne jede Berührungsangst in den Stuhlkreis der Schüler und plauderte bereitwillig und gestenreich aus dem Nähkästchen.Foto: (Frank Zimmermann)

„Casting-Show - Traum oder Trauma?" war die Leitfrage im Unterricht. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es eher ein Trauma ist", erzählte Schüler Julian Vortkamp. Ob Mutzke das auch so erlebt hatte, wollten sie mit Fragen zu drei Themenfeldern herausfinden: Neben dem Casting nahmen sie auch Mutzkes Schul- und Musikerlaufbahn und das Verhältnis von Karriere und Privatleben in den Blick.

„Ich bin eine Plaudertasche", warnte Mutzke die Schüler gleich zu Beginn des Gesprächs. Seine ausführlichen Antworten bestätigten diese Selbsteinschätzung. Der 30-Jährige erzählte von seinen musikalischen Anfängen im Kreise der Familie, von seinen Vorbehalten gegenüber Casting-Shows. „Du hast vor dem Auftritt innerlich einen brutalen Druck, wenn du gleich raus musst und weißt, alle gucken zu", schilderte er seine Erfahrungen vom Casting für die Teilnahme am Eurovision Song-Contest. Er erzählte aber auch von seinem Glück: „Ich konnte immer die Musik machen, die ich mag!"

Zunächst waren die Schüler sehr zurückhaltend. Was vielleicht auch daran lag, das kein ausgesprochener Max-Mutzke-Fan unter ihnen war. Einige gestanden sogar, Mutzke vor der Erwähnung im Unterricht gar nicht gekannt zu haben. Aber im Laufe des Gesprächs tauten sie doch ein bisschen auf, was sicher auch mit der lässigen Art des Sängers zu tun hatte. Von Beginn an ging er mit den Jugendlichen auf Du und Du.

Schließlich lud Max Mutzke sie ein, noch ein bisschen beim Soundcheck zuzuhören. So konnten die Gymnasiasten den Musiker auf der Bühne in Aktion erleben. Das gefiel ihnen sichtlich, nach den Stücken spendeten sie spontan Applaus.

Auch Thomas Welsch zeigte sich ganz angetan von dem Treffen und war froh über Mutzkes offene Art. „Wir haben das Interview vorher geübt. Da habe ich Mutzkes Rolle eingenommen und extra immer einsilbige Antworten gegeben." So waren die Schüler auf den „Ernstfall" vorbereitet, der aber nicht eintraf. Im Gegenteil: Max Mutzke holte die Jugendlichen nach dem Soundcheck noch für ein Gruppenfoto auf die Bühne und bedankte sich bei ihnen für ihr Interesse.

Im Musikunterricht werden die Schüler das Interview nun auswerten und später in der Schülerzeitung des Gymnasiums veröffentlichen. Und dann steht ihnen noch eine besondere Erfahrung bevor: „Ihr werdet selber alle singen müssen", kündigte Welsch für die nächste Musikstunde an. „Damit ihr erlebt, wie sich ein Casting-Kandidat fühlt."

(Quelle: Frank Zimmermann, WN GRONAU - 15.10.2011)