Die Liebe bei Disco und Lerchengesang Drucken E-Mail

Zeitlose Literatur zeitgemäß inszenieren: Daran haben sich schon große Bühnen und Regisseure die Zähne ausgebissen. Dem Literaturkurs der Jahrgangsstufe Q1 ist dies aber mit „Romeo und Julia" sehr gut gelungen.

Es gilt, viele Klippen zu umschiffen, will man Shakespeares Stücke auf die Bühne bringen - noch dazu, wenn es so bekannt ist wie „Romeo und Julia" und die Darsteller allesamt Laien sind. Und doch geht es - gut. Sehr gut sogar, wie der Literaturkurs der Jahrgangsstufe Q1 (ehemals 12) am Werner-von-Siemens-Gymnasiums unter der Leitung von Kristin Hense eindrucksvoll bewies.

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(Bildtext: Und es war doch die Lerche! Nur eine gemeinsame Nacht ist den Liebenden vergönnt, und selbst die wird jäh beendet. Romeo (Michael Koddebusch) muss seine Julia (Laura Hoffschlag) verlassen. Foto: Christiane Nitsche) 

Vor vollen Rängen in der Aula, die bemerkenswerterweise mit vielen Schülern besetzt waren, zeigten die Schüler und Schülerinnen eine nur leicht modernisierte Variante des Klassikers. Kampf- und Duellierszenen wurden von Metalrock begleitet, der Ball, bei dem sich die Liebenden kennenlernen, in eine Disco verwandelt, und hin und wieder entschlüpft der Amme ein „Okay" (hinreißend und mit viel Schmunzeln bedacht: Senem Göven) und Mercutio (sicher und gut akzentuiert: Steffen Naundorf) verabschiedet die gute Seele, die es ihm offenbar ebenfalls angetan hat, mit einem fröhlichen „Tschüss, schöne Dame!"

Ansonsten aber blieben die Gymnasiasten weitestgehend dem Originalstoff treu, was der Inszenierung sehr gut tat, denn schließlich lebt die Geschichte um Liebe und Leid der beiden aus verfeindeten Familien stammenden Jugendlichen von den Dialogen und der Verkettung der unglücklichen Ereignisse, die schließlich zum Tod beider führen.

Apropos Dialoge: Allein für die Textmenge, die vor allem die beiden Hauptdarsteller, Michael Koddebusch und Laura Hoffschlag, lernen mussten, gebührt den jungen Darstellern größtes Lob. Nahezu fehlerfrei und ohne deutliche Hänger gelang ihnen diese Mammutaufgabe, wobei sie es auch noch schafften, die emotionale Berg- und Talfahrt, die die Liebenden durchleben, überzeugend mit Leben zu füllen. Vor allem Laura Hoffschlag war dabei auch mimisch stark und bei aller Zerbrechlichkeit sehr präsent. Bemerkenswert in dieser Hinsicht auch Julius Däbritz, der den Bruder Lorenzo spielte. Ihm gelang es, beide Seiten des Charakter zu zeigen - die lebenskluge und ernsthafte ebenso wie die mal mehr, mal weniger freiwillige Komik der Figur. Auch Graf Paris (Alexander Mikosch) machte als überzeichnete, tragische Figur seinem Schöpfer alle Ehre. Buh-Rufe gab es am Ende nur für Rektor Helmut Seifen, der nach einigem Lob erklärte, er hätte sich „mehr Romantik" gewünscht. Das Publikum sah das offenbar anders.

(Quelle: WN Gronau, 14.06.2012)