Kein Zeugnis zum Wegrennen Drucken E-Mail

Werner-von-Siemens-Gymnasium entlässt 90 junge Leute

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(Die Abiturientia 2012 des Werner-von-Siemens-Gymnasiums. Foto: Martin Borck)

Ob die Menschen in Abu Dhabi ahnen, dass ihr kleines Land derzeit ungemein große Popularität in Abiturientenkreisen genießt und der Name ihres Landes zum Abi-Motto erkoren wurde? Wie dem auch sei: Bei der Abschiedsfeier am Samstag in der Aula fand das Emirat immer wieder Erwähnung. Assoziationen, die man hierzulande mit dem orientalischen Land verbindet, nahmen die Redner der Feier dankbar auf.

Den Untertitel des Abi-Mottos „Wie geschafft, ist schleierhaft" wollte Schulleiter Helmut Seifen jedoch nicht so stehen lassen. Nicht zuletzt den „Karawanenführern", zu denen er Eltern und das Lehrer-Kollegium zählte, hätten die jungen Leute das Abitur zu verdanken. „Jetzt löst sich die Karawane auf. Sie allein bestimmen, wohin die Reise geht." Seifen stellte den Spruch „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum" in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Es gebe Beispiele erfolgreicher Menschen, die ihre Träume und Visionen konsequent verfolgt hätten. Bill Gates zum Beispiel, Gottfried Daimler, die Brüder Wright oder - im künstlerischen Bereich - Joanne K. Rowling. Sie hätten gegen jede Wahrscheinlichkeit teils sogar Menschheitsträume wie den vom Fliegen erfüllt. „Insofern ist ,Lebe deinen Traum' ein brauchbares Lebensmotto", sagte Seife - relativierte aber auch gleich: Träume seien keine Botschaften einer transzendenten Macht. Erfolge hingen von fachlichem Wissen und Ehrgeiz ab, von der Fähigkeit, alles zu reflektieren und sich selbst auch mal in Frage zu stellen, zitierte Seifen einen Sporttrainer. Träume könnten sich auch als Trugbilder erweisen. Als Korrektiv zum ursprünglichen „Traum"- Motto gab Seifen den Schülern daher das Raabe-Wort „Sieh nach den Sternen, hab acht auf die Gassen" mit auf den Weg.

Der stellvertretende Bürgermeister Rainer Doetkotte gratulierte im Namen der Stadt: „Sie haben viel Wissen und soziale Kompetenzen erworben, Sie haben Werte vermittelt bekommen. Das Werner-von-Siemens-Gymnasium hat Ihnen etwas an die Hand gegeben, damit Sie sich Ihr Leben lang neues Wissen aneignen und sich mit neuen Fragen auseinandersetzen können." Er ermutigte die Abiturienten, ihre Chancen und Talente zu nutzen. „Das Leben beginnt jetzt, alle Wege stehen euch offen", sagte Elternvertreterin Katja Gröning. Sie zeigte Respekt vor der „reifen Leistung" der Schüler und sprach ihnen Mut zu. „Wichtig ist, dass ihr ein Ziel habt, denn ohne kann man sich leicht verlaufen." Eltern, Lehrer und Mitschüler hätten bislang als Wegbegleiter gedient. Auch für den künftigen Weg wünschte Gröning, „dass ihr daran nie Mangel leidet. Zusammen wandert es sich leichter."

Jahrgangsstufenleiter Rolf Hoogstoel demonstrierte mit einem Erdkunde-Test, dass der Erfolg der Abiturientia keinesfalls „schleierhaft" sei. „Dies ist ein grundsolider Jahrgang", bescheinigte er. „Unter sanftem Druck sind hier in acht bis zehn Jahren aus Kohlebrocken kleine Rohdiamanten geworden." Er mahnte die jungen Leute, Rückgrat zu bewahren, Verantwortung zu übernehmen und Zivilcourage zu zeigen. Die Schülersprecher Ruth Büscher, Anna Hewing, Lino Radink, Jana Sprakel und Annalena Volbert ließen die Schulzeit aus ihrer Sicht Revue passieren. Sie hoben den guten Zusammenhalt der Stufe hervor. „Abitur kommt vom Lateinischen ,abire' - weggehen. Ist es also ein Zeugnis zum Wegrennen? Nein, eher ein Ticket in die selbstbestimmte Zukunft", gaben sie sich zuversichtlich. Das beste Zeugnis hatte Daniel Diekmann mit einem Notenschnitt von 1,1. Manuel Kösters und Dustin Hube wurden für ihre Leistungen im Fach Physik ausgezeichnet, und Schülersprecherin Sarah Flucht für ihr besonderes Engagement. Die Feier wurde vom erfrischenden Auftritten des Kinderchors unter Leitung von Thomas Welsch und Natia Amiredshibi umrahmt. Auch Annalena Grothe und Felix Brefeld sowie Hanna und Lea Tyburski trugen musikalisch zur Feier bei, Sara Grüber präsentierte einen Tanz.

(Quelle: WN Gronau, 25.06.2012)