Auszeichnung für Facharbeit - Spannendes Quellenstudium Drucken E-Mail

Die Textilära van Delden ist in Gronau längst Geschichte. Für die Gymnasiastin Theresa Schlamann jedoch ist Geschichte eine höchst spannende Angelegenheit. Darum hat die Oberstufenschülerin ihre obligatorische Facharbeit über das Unternehmen van Delden geschrieben.

Von Sigrid Winkler-Borck, Sigrid Winkler-Borck

An sich gehören Facharbeiten für alle am Werner-von-Siemens-Gymnasium zu den Hürden, die auf dem Weg zum Abitur genommen werden müssen. Theresa Schlamann aber hat mit ihrer im Frühjahr sehr gut benoteten Facharbeit auch noch einen Preis gewonnen: Ihre Arbeit wurde als zweitbeste mit dem Förderpreis für Nachwuchsforscher 2012 der Gesellschaft für historische Landeskunde des westlichen Münsterlandes ausgezeichnet. Am morgigen Dienstag wird Landrat Dr. Kai Zwicker in Wessum die Preise an die drei Erstplatzierten überreichen.

121106_-_WN_Auszeichnung_FA

Theresa Schlamann, Leistungskurs Geschichte, erzählt: „Bei einer Exkursion mit Herrn Lücke ins Stadtarchiv hat der Archivar Lippert auch viel über van Delden gesprochen. Und da ich in meiner Facharbeit gern etwas über Gronau machen wollte und van Delden so typisch für die Stadt ist, hatte ich schon grob mein Thema." Das Kaiserreich war seinerzeit Leistungskursthema, und so war auch der zeitliche Rahmen abgesteckt für ihre Arbeit mit dem Titel: „Das Verhältnis politischer und wirtschaftlicher Macht in Gronau während des Kaiserreichs (1871 - 1914) am Beispiel der Firmen Mathieu und Gerrit van Delden". Später machte Lehrer Norbert Diekmann sie auf den Wettbewerb für Nachwuchsforscher aufmerksam, den die Gesellschaft für historische Landeskunde zum mittlerweile siebten Mal in Zusammenarbeit mit Schulen ausgeschrieben hatte.

„Die Quellensuche fand ich spannend, und total interessant war es, im Stadtarchiv die Akten durchzuschauen", erzählt die Gymnasiastin von ihrer Arbeit an dem sehr ergiebigen Thema. Der im Kaiserreich als Unternehmer groß gewordene van Delden habe aufgrund des damals geltenden Dreiklassenwahlrechts seine Interessen auf jeder Ebene durchsetzen können. In diesem Zusammenhang spricht sie dann auch von einer „totalen Monopolstellung".

Positiv überrascht hat Theresa Schlamann bei ihrem Quellenstudium, dass die van Deldens gewissermaßen Vorreiter bei der sozialen Absicherung ihrer Mitarbeiter waren. Bereits 1862 führten sie eine Betriebskrankenkasse ein, lange bevor Bismarck sich für den Schutz der Arbeiter einsetzte. „Aber", so schränkt Theresa Schlamann gleich wieder ein, „soziales Engagement gehört auch zum Prinzip der Mennoniten, zu denen die van Deldens ja gehören." Auf diese Weise setzt sie in ihrer 15-seitigen Arbeit Lokalgeschichte immer wieder mit den Ereignissen im damaligen Reich in Beziehung.

Als dann vor knapp zwei Wochen per E-Mail die Mitteilung über ihren zweiten Preis kam, so erzählt Theresa Schlamann, „habe ich gar nicht mehr an den Wettbewerb gedacht und die Mail im ersten Moment für Werbung gehalten." Aber eben nur im ersten Moment...

Quelle: WN Gronau, 12..11.12