Leistungskurs für Erstwähler Drucken E-Mail

Politischer Leistungskurs für Erstwähler: 90 Minuten lang stellen sich am Montag die Bürgermeister-Kandidaten der Oberstufe des Werner-von-Siemens-Gymnasiums vor.

Mert (17), Viktoria, Jaser und Naomi (alle 16) verließen die Aula am Ende zufrieden: „Ich wusste vorher schon, wen ich wählen werde, aber es war gut, die Positionen der Kandidaten kennenzulernen", fasst Mert am Ende die Veranstaltung mit den Bürgermeister-Kandidaten zusammen. Ähnlich geht es auch Jaser: „Mir ist klar geworden, wofür die Wahlkandidaten stehen, welche Positionen und Ziele sie haben." Auch er hat schon eine Entscheidung getroffen, wen er am 3. März wählen wird. „Das war eine gute Erfahrung. Ich habe vorher noch nicht an einer solchen Podiumsdiskussion teilgenommen", so das Fazit von Viktoria. Sie hat durch die Veranstaltung eine Vorstellung davon bekommen, wen sie wählen will. Und auch für Naomi ist klarer geworden, welche Ziele die einzelnen Kandidaten verfolgen.

90 Minuten lang hatten sich zuvor Sonja Jürgens (SPD), Frank Vetter (parteilos), Marita Wagner (Linke) und Hartwig Withöft (CDU) in der Aula des Gymnasiums der Oberstufe präsentiert: Persönliche Vorstellung und die Diskussion über Innenstadtentwicklung, Wirtschaftsförderung, Sicherheit in der Bahnhofstraße und andere Themen sprachen die Bewerber während des von Dirk Terbahl (freier Journalist) moderierten Treffens an. Wer andere Veranstaltungen mit dem Quartett erlebt hatte, erfuhr dabei nicht zwingend Neues.

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(Bildtext: Volles Haus in der Aula des Werner-von-Siemens-Gymnasiums: Die vier Bürgermeister-Kandidaten stellten sich am Montagmorgen der Diskussion mit den Schülern der Oberstufe. Foto: Klaus Wiedau) 

 

Richtig lebendig wurde der Dialog zwischen Politikern und Schülern erst zum Ende hin, als die jungen Menschen ihre Fragen direkt an die Kandidaten richten konnten. Wie aus Gronau der oft zitierte „Magnet" werden soll, der Enschede und Ochtrup Konkurrenz bieten könne, wollte ein Schüler wissen. Dass die Jugendlichen offenbar eine andere Sicht auf diese Stadt haben, offenbarte auch ein anderer Satz: „Es gibt hier nichts, was Jugendliche in dieser Stadt hält", brachte es ein Schüler auf den Punkt. Ein anderer – Sebastian – kritisierte, dass die Politik die Menschen zu wenig informiere und einbinde: „Ich höre immer von Plänen, sehe aber keinen Wandel in der Stadt", machte er deutlich. Und löste bei den Kandidaten damit unterschiedliche Reaktionen aus: Frank Vetter räumte in diesem Bereich Nachholbedarf ein, Hartwig Withöft zeigte sich von der Feststellung begeistert, bringe sie doch seine (zuvor deutlich gemachte) Einschätzung der Lage auf den Punkt: Dass der Bürger nämlich den Eindruck habe, es passiere nichts. Sonja Jürgens drehte die Kritik der Schüler in eine Frage um: „Wie können wir Sie denn erreichen?" wollte sie mit Blick auf für Schüler offenbar wenig interessante Bürgerversammlungen und Sitzungen wissen. Internet und soziale Netzwerke muss wohl die Antwort heißen, auch wenn sie unausgesprochen blieb.

„Muss man nicht am Ruf von Gronau allgemein arbeiten?", fragte eine Schülerin angesichts einer breiten Debatte über das Thema Wirtschaftsförderung. Das Image der Stadt („mehr Puffs als in Dortmund"), sei wenig förderlich. Imageverbesserung sei ein wichtiger Aspekt, waren sich die Bewerber einig. Aber auch, wie Frank Vetter betonte, eine Gemeinschaftsaufgabe, die Engagement erfordere. „Auch euer Engagement", so Vetter, der in diesem Zusammenhang die Idee eines Jugendparlaments in den Raum stellte.

Eine andere Frage der Schüler bezog sich auf die Zukunft von „Weißer Dame" und „BSG-Gelände" – verwiesen wurde hier auf Schwierigkeiten, die sich aus der besonderen Gemengelage (Stadt, private Eigentümer, Kosten für Altlastenbeseitigung etc.) ergeben.

Fazit: Das vom Gymnasium initiierte „Schüler treffen Bürgermeister-Kandidaten" war ein gutes und gerade für Erstwähler hilfreiches Angebot, um die Bewerber und deren Positionen deutlich zu machen. Schade, dass die Schüler erst gegen Ende aktiv in den Dialog eingebunden wurden. Und: Solche Runden sollte es nicht nur in Wahlkampfzeiten geben – Politik und Verwaltung sollten die direkte Diskussion mit der Jugend bei solchen Treffen ruhig häufiger suchen.

(Quelle: WN Gronau, 10.02.2013)