Mit Erbsen, Zahnstochern und Schokolinsen Mathe lernen Drucken E-Mail

Für die Schüler der Klasse 5c des Werner-von-Siemens-Gymnasiums standen jetzt fünf Stunden Vertretungsunterricht auf dem Plan, da sich mehrere ihrer Fachlehrer auf einer Kursfahrt befanden. Diese fünf Stunden nutzen Mathematiklehrerin Heike Demming und die Referendarin Eva Konopatzky für ein Projekt: Mathematik als Abenteuer-Unterricht. Bei den Schülern herrschte zunächst ungläubiges Erstaunen: „Wir sollen fünf Stunden Mathe machen?" Doch dann wandelte sich das Staunen in freudige Aufregung, denn anstatt mit Heften und Büchern arbeiteten sie mit Streichhölzern, Schokolinsen, Erbsen und Zahnstochern.

Gestartet wurde das Projekt mit Streichholzrätseln – ein schon lange gehegter Wunsch der Schüler. Eifrig und konzentriert waren sie bei der Sache und halfen sich gegenseitig, bis jeder alle Rätsel gelöst hatte. Nun ging es nach draußen auf den Schulhof. Es sollten Flächeninhalte mit Kreide und Zollstöcken auf den Schulhof gezeichnet werden. Ziel: Flächeninhalte einzuschätzen und zu berechnen und dabei eine Größenvorstellung zu entwickeln. Die Schüler nahmen ihre Aufgabe ernst und zeichneten konzentriert die ihnen vorgegebene Fläche auf. Anschließend bestimmte jedes Team die Flächeninhalte der anderen Gruppen. Alle Ergebnisse waren richtig.

130713 - Mathe

(Bildtext: Die Fünftklässler lernten spielenderweise Mathematik. Sie bauten die platonischen Körper mit Zahnstochern und schätzten mit Hilfe von Schokolinsen Mengen ab. Foto: privat) 

Zurück im Klassenraum gab es die dritte Aufgabe: Auf Hubschrauberflügen sollten Menschenmassen auf einer Straße abgeschätzt werden. Sie einzeln abzuzählen, war unmöglich, eine Strategie wurde gesucht. Diese theoretische Aufgabe wurde schülernah und handlungsorientiert umgesetzt: Aus mehreren Metallschienen wurde eine Straße gebaut, auf dieser Straße befanden sich dicht an dicht Fußgänger, die durch sieben Packungen Schokolinsen dargestellt wurden. Bei dieser Übung ging es um Teamfähigkeit – eines der wichtigsten Bildungsziele. Wäre die Gruppe sich nicht einig, würde sie kein brauchbares Ergebnis abliefern können.

Der Aufbau war zunächst für die Schüler durch Seile abgesperrt, so wurde verhindert, dass sie schon vorher mit dem Abzählen beginnen konnten. Sie waren somit gezwungen, ihre Vorgehensweise zu planen. Dann durfte jedes Team für genau 60 Sekunden mit dem Hubschrauber über die Straße fliegen, d. h. die Schokolinsen aus der Nähe betrachten. Die Aufregung war groß, einige der Teams versuchten tatsächlich, die Schokolinsen abzuzählen, merkten aber schnell, dass dieses unmöglich war. Die Strategie wurde geändert: Ein kleiner Teilabschnitt wurde ausgezählt, dann hochgerechnet – so klappte es. Der Jubel war groß, als zwei Gruppen sehr nahe an das Ergebnis von 1990 Schokolinsen – sprich Menschen – herankommen. Noch größere Freude herrschte, als jeder ein Tütchen mit 50 Schokolinsen mitnehmen durfte.

Nun tauchten die Schüler in das Thema Geometrie ein. Wer an Bleistift und Geodreieck denkt, liegt falsch. Heike Demming und Eva Konopatzky teilten stattdessen Erbsen und Zahnstocher aus. Es ging um vollkommene Symmetrie: die fünf platonischen Körper sollen nachgebaut werden. Schnell waren Tetraeder, Würfel, Oktaeder und Ikosaeder gebaut. Der Dodekaeder erweist sich als schwierig, da hier regelmäßige Fünfecke als Flächen zu bauen sind. Aber auch das meisterte die Mehrzahl der Schüler. Stolz stellten sie ihre Bauten zum Härten auf die Fensterbank.

Das Schellen zum Schulschluss war bereits verklungen, aber die in ihrer Aufgabe vertieften Schüler bemerkten es kaum: „Wieso sollen wir aufräumen, das war doch erst die vierte Stunde?" Offenbar hat ihnen der Unterricht Spaß gemacht.

Quelle: WN Gronau, 13.07.2013