Zeitzeuge berichtet über Judenverfolgung Drucken E-Mail

Bert Woudstra aus Enschede besuchte Werner-von-Siemens-Gymnasium

Der Leistungskurs Niederländisch der Stufe 11 (Q1) hat unter der Anleitung von Lehrerin Martina Welter im Unterricht das Thema „Die Niederlande im Zweiten Weltkrieg" erarbeitet. Dabei haben die Schülerinnen und Schüler sich vor allem mit der Zeit der deutschen Besatzung der Niederlande und der Judenverfolgung im Land auseinandergesetzt. In diesem Zusammenhang führte die Schülerin Lisa Frieler mit Bert Woudstra aus Enschede ein Interview durch. Er ist überlebender Jude der deutschen Besatzungszeit. Woudstra der sich als Kind vor der Judenverfolgung verstecken musste und stets in Angst vor Entdeckung und Deportation lebend, wurde von Versteck zu Versteck weitergereicht. Auf der Grundlage dieses Interviews schrieb sie dann ihre Facharbeit und lud Herrn Woudstra ein, in einer Doppelstunde des Leistungskurses über sein Leben zu erzählen.

130717 - Zeitzeuge

(Bildtext: Mit einem Blumenstrauß bedankt sich der Niederländisch-Kurs des Gronauer Gymnasiums bei Bert Woudstra für eine besondere Unterrichtsstunde. Foto: privat)

Bert Woudstra war für alle Fragen offen, hatte jedoch auch einen ausführlichen und berührenden Vortrag vorbereitet. Die Diskriminierung und Ausgrenzung, die z.B. durch das Tragen des Judensterns, den Ausschluss aus der Schule und andere Verbote entstand, schilderte er sehr eindrucksvoll. Es gelang ihm das Gefühl der ständigen Bedrohung und die Angst vor Entdeckung und Verhaftung anschaulich für die Schüler darzustellen. Die Bedeutung der Hilfe von Menschen in dieser Zeit betonte er sehr. Er sagte, dass er ohne den Mut dieser Menschen, die ihn schützten und somit ihr Leben riskierten, hier nicht stehen und erzählen könne. Trotz der Hilfe für ihn selbst sind viele seiner Familienangehörigen auf grausame Weise in den Konzentrationslagern gestorben.

Sein Engagement in der Nachkriegszeit und sein – trotz der schlimmen Erfahrungen – gutes Verhältnis zu den Deutschen, ist ihm hoch anzurechnen und verdient großen Respekt. Ihren Dank für seinen Vortrag äußerten die Schülerinnen und Schüler mit einem kleinen Präsent. Es ist Herrn Woudstra gelungen zum Nachdenken anzuregen, denn Diskriminierung von Menschen, z.B. aufgrund ihrer Glaubenszugehörigkeit, ist leider auch heute noch ein aktuelles Thema.