Einsatzstille - Crash-Kurs-NRW Drucken E-Mail

Im Rahmen des „Crash-Kurs-NRW"-Programms berichteten jetzt Notfallseelsorger, Polizisten, Feuerwehrleute und ein Vater vor Gymnasiasten von persönlichen Erlebnissen angesichts eines tödlichen Verkehrsunfalls, bei dem junge Menschen das Leben verloren hatten.

Gespenstische Stille habe geherrscht an der Unfallstelle, erinnerte sich der Kollege. Fünf Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren hatten in dem Opel Corsa gesessen, der im August 2011 an der Alstätter Straße von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt war. Für drei von ihnen kam damals jede Hilfe zu spät. „Ein Unfall betrifft nicht nur die Opfer, sondern auch die Eltern und Geschwister, und das ein Leben lang", sagte Ingo Stein. Und nicht nur die: Stein war seinerzeit als Notfallseelsorger im Einsatz und hatte die traurige Aufgabe, einem der betroffenen Elternpaare die Todesnachricht zu überbringen. Im Rahmen des „Crash-Kurs-NRW"-Programms berichteten er und einige Polizisten und Feuerwehrleute von persönlichen Erlebnissen angesichts eines tödlichen Verkehrsunfalls, bei dem junge Menschen das Leben verloren hatten.

130716 - Einsatzstille

(Bildtext: Haben schon Schreckliches gesehen: Ingo Stein (Notfallseelsorger), Gerd Leppin, Volker Meerkötter (beide Polizei Borken), Ludger Paus (betroffener Vater), Ingo Woolderink (Polizei Ahaus), Simon Eynck, Martin Bültmann (Berufsfeuerwehr). Foto: Polizei)

Stein erzählte, wie er zunächst den Vater des verunglückten Jugendlichen antraf, dann mit ihm gemeinsam die Mutter informierte. In schlichten Worten sprach er davon, wie mitunter die Worte fehlten. In der Aula des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, wo 130 Schüler seinem Bericht lauschten, herrschte ebenfalls Stille.

Vielen ist der Unfall der jungen Männer noch gut im Gedächtnis. Das Risiko, Wunden aufzureißen, geht beim Konzept von „Crash-Kurs-NRW" Hand in Hand mit dem Ziel, echte, persönliche Betroffenheit zu erzielen und damit besonders Fahranfänger zu sensibilisieren. Denn: Die Berichte derer, die bei einem solchen Unfall vor Ort sind, gehen unter die Haut. Nicht umsonst heißt es „Realität erfahren. Echt hart." im Untertitel des bundesweit einmalige Präventionsprogramms.

In einem Film gab es zunächst drastische Bilder von Unfallorten zu sehen, jeweils verbunden mit den Namen der Opfer und dem, was die jungen Leute vorgehabt hatten. „Die wollten einfach nur Spaß haben", erklärte auch Simon Eynck. Der 26-jährige Feuerwehrmann berichtete minutiös von einem Einsatz, bei dem ein 17-Jähriger mit einigen Freunden alkoholisiert mit dem Fahrrad gefahren war. Er stürzte so schwer, dass er schon auf dem Weg in die Uniklinik reanimiert werden musste. Zehn lange Minuten ging das. Und obwohl das Team im Rettungswagen schließlich Erfolg hatte, starb der Junge kurz darauf an seinen Verletzungen. Für Eynck heute noch unfassbar: „Nur drei Stunden, nachdem die Jungs auf dem Rad herumgealbert hatten, war der 17-Jährige tot." „Wir wollen euch nicht den Spaß am Fahren nehmen", betonte Ingo Woolderink, der die Veranstaltung moderierte und sonst als Polizeikommissar in Ahaus Dienst tut. „Aber Ihr sollt daran denken, dass wenig ausreichen kann, um einen schweren Unfall auszulösen. Letztendlich kann es euer Leben kosten." Stein ergänzte: „Denkt daran, dass Zuhause Menschen auf Euch warten, denen ihr wichtig seid." Und Ludger Paus aus Rhede, der bei einem Unfall seine 14-jährige Tochter verlor und Jahre brauchte, um sich wieder zu fangen, appellierte an die Schüler: „Glaubt euren Eltern. Die meinen es gut!"

Quelle: WN Gronau, 16.07.2013