Unsere Schule aktuell Nr. 2 Februar 2015 Drucken E-Mail

Sehr geehrte Eltern!

In der vorletzten Woche hat Ihr Kind sein Zeugnis mit nach Hause gebracht und Ihnen damit einen Überblick über seine schulischen Leistungen im letzten Halbjahr gegeben. Zunächst einmal auch Ihnen einen herzlichen Glückwunsch zu den Leistungen Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter. Auch wir Lehrer und Lehrerinnen sind insgesamt mit den Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler sehr zufrieden. Denn das Notenbild in den einzelnen Jahrgangsstufen hat sich sehr erfreulich entwickelt und entspricht nun jahrgangsübergreifend dem guten Abschneiden bei den Lernstandserhebungen im letzten Jahr in der Jahrgangsstufe 8.

Sollten Sie oder Ihre Kinder mit den Leistungsbewertungen in einzelnen Fächern nicht zufrieden sein oder liegen die Bewertungen im mangelhaften Bereich, sollten Sie in aller Ruhe mit Ihren Kindern diesen Tatbestand überdenken und im gemeinsamen Gespräch nach den Ursachen für diese nicht zufriedenstellende Zeugnisnote suchen. Dabei helfen Ihnen zum einen die Hinweise, welche Ihnen die Förderempfehlungen geben, zum anderen können Sie selbstverständlich auch mit den betreffenden Fachlehrer/innen oder den Klassenlehrer/innen Rücksprache nehmen, um weitergehende Informationen und Hilfen zu erhalten. Sollte fehlende Anstrengungsbereitschaft oder zu geringer Lerneifer mitverantwortlich sein für die Minderleistung in einem Fach, bitte ich Sie, mit Ihrem Kinde zu überlegen, wie es seine Arbeitshaltung verändern und ein disziplinierteres Lernverhalten einüben kann. Suchen Sie auch ruhig den Kontakt zu den Fachlehrkräften oder zum Klassenlehrer, zur Klassenlehrerin.

In den Beratungskonferenzen von November und den Zeugniskonferenzen jetzt Ende Januar haben wir uns ein umfassendes Bild über die Leistungssituation der jeweiligen Schülerinnen und Schüler gemacht, sodass wir Sie fundiert beraten können. Ich versichere Ihnen, dass das erste und einzige Ziel unserer Konferenzberatung das Wohl Ihres Kindes ist und wir unter diesem Gesichtspunkt Arbeitsweisen oder Schullaufbahnfragen unserer Schülerinnen und Schüler beleuchten. Sie können also den Lehrkräften, mit denen Sie ein Beratungsgespräch führen, vertrauen. Denn das Bild, das die beratenden Lehrkräfte Ihnen von Ihrem Kind vermitteln, ist nicht durch die Einzelmeinung einer Lehrkraft gezeichnet worden, sondern setzt sich aus vielfältigen Beiträgen aller in der Klasse unterrichtenden Lehrkräften zusammen. Wie Ihnen als Eltern ist uns Lehrern sehr daran gelegen, dass Ihre Kinder ihre schulischen Ziele erreichen. Das sehen wir dann letztlich auch als unseren Beitrag zum Erfolg Ihres Kindes an.

Dass der schulische Alltag noch zusätzliche Erschwernisse bereitstellt, mussten Sie in den letzten Monaten erfahren. Hier war es vor allem die Personalsituation, die uns vor große Probleme stellte. Absagen von Vertretungslehrkräften kurz vor Schulbeginn im Sommer, Ausscheiden von Vertretungslehrkräften aus persönlichen Gründen oder Erkrankung von Lehrkräften aus einer bestimmten Fachschaft führten dann immer wieder dazu, dass die Schulleitung den Unterricht auf Stammlehrkräfte verteilen oder weitere Vertretungslehrkräfte einstellen musste. Das gelang nur, weil es in der Stammbelegschaft eine große Bereitschaft gab, den zusätzlichen Unterricht zu übernehmen. Das ist nicht selbstverständlich, sondern der Tatsache geschuldet, dass wir hier am Gymnasium ein überdurchschnittlich motiviertes und engagiertes Kollegium haben. Deshalb konnte der Unterrichtsausfall minimiert werden, eine Leistung, auf die unser gesamtes Kollegium sehr stolz ist.

Mit dem Ausscheiden von Frau Löhring und Herrn Frankemölle, die beide eine Festanstellung an einer anderen Schule erhielten, sowie der längeren Erkrankung weiterer Kolleginnen und Kollegen öffneten sich nun wieder neue Lücken, die wir nur schließen konnten, weil zum einen Frau Heckrath (D, Pä) und Herr Praha (Ch) als Vertretungslehrkräfte neu in das Kollegium eingetreten sind, und zum anderen Frau Lalana, Frau Hesseling sowie Frau Sandmann innerhalb ihrer Elternzeit als Teilzeitkräfte Unterricht erteilen. Um die angespannte Personalsituation im Fach Englisch beheben zu können, mussten wir sogar mit Herrn Riedel eine verdiente Lehrkraft des Werner-von-Siemens-Gymnasiums aus dem Ruhestand wieder zurückholen. Wir alle sind sehr dankbar dafür, dass Herr Riedel zunächst einmal bis zu den Sommerferien den Englischunterricht einer langfristig erkrankten Kollegin übernimmt. Auch wenn der Lehrerwechsel für einige Ihrer Kinder eine Umstellung bedeutet, so können wir doch froh darüber sein, dass der Unterricht nicht ausfallen muss, sondern erteilt werden kann.

Andere Voraussetzungen hängen nicht unmaßgeblich auch von Ihren Kindern ab. Vor allem die Atmosphäre in der Klassengemeinschaft wird maßgeblich von Ihren Kindern mitbestimmt. Nun sind wir insgesamt sehr zufrieden mit dem sozialen Miteinander in unserer Schulgemeinschaft. Lehrkräfte und Schüler/innen fühlen sich insgesamt wohl in unserer Schule. Und auch von außerschulischen Beobachtern wie von Gästen, die auf Zeit bei uns weilen, wird immer wieder die unglaublich wertschätzende Atmosphäre innerhalb der erlebten Gruppen hervorgehoben.

Und doch gibt es natürlich manchmal spannungsgeladene Situationen zwischen einzelnen Schülern, die dann tatsächlich in dauerhafte Erniedrigungen von Schülern einmünden. Heute nennt man das Mobbing. Solche Fälle sind in der zurückliegenden Zeit leider auch an unserer Schule vorgekommen.

Wir würden gerne sofort etwas dagegen unternehmen, dass einzelne Mitglieder unserer Schulgemeinschaft absichtlich über einen längeren Zeitraum Mobbing erdulden müssen. Leider können wir erst einschreiten, wenn wir informiert werden. Und das ist das große Problem, worüber ich mich persönlich sehr ärgere. Aufgrund der in den Medien verbreiteten Meinung „die Lehrer tun eh nichts“ wenden sich die Betroffenen solcher Ausgrenzung und Erniedrigung viel zu spät an eine Person ihres Vertrauens. In den meisten Fällen könnten wir das Problem ganz frühzeitig und für die beteiligten Personen oftmals auch stress- und angstfrei lösen. Wenn das Mobbing aber sehr lange andauert, sind von den Tätern so viele und dann zum Teil so schwere Demütigungen ausgegangen, dass wir als Schulleitung dementsprechend massiv reagieren müssen. Ein frühzeitiger Hinweis würde uns helfen, die Eskalation solch eines Mobbingprozesses zu verhindern. Dazu bitte ich Sie, Ihren Kindern vielleicht noch einmal folgendes deutlich zu machen:

  1. Alle Lehrkräfte unserer Schule haben ein großes Interesse daran, dass es Ihren Kindern gut geht. Wir sind nicht die Gegner Ihrer Kinder, nur weil wir im Einzelfall die eine oder andere Leistung mit mangelhaft bewerten müssen oder Ihre Kinder ermahnen, die Ordnung einzuhalten. Sondern wir betrachten Ihre Kinder als Personen, die immer unserer Fürsorge anvertraut sind. Insofern können sich Ihre Kinder in Notfällen vorbehaltlos uns anvertrauen. Verdeutlichen Sie Ihren Kindern doch bitte, dass es nicht ein Zeichen von Schwäche ist, wenn man sich in Notsituationen Hilfe und Rat bei Lehrpersonen holt. Dafür sind wir da, und wir helfen gerne.

  2. Ärgerlich und traurig ist es auch, wenn ein Teil der Klasse dem Treiben zusieht, ohne etwas zu unternehmen. Stärken Sie Ihre Kinder, sozialen Mut zu zeigen und entweder ihrem erniedrigten Klassenkameraden beizustehen, den mobbenden Tätern ihr unrechtes Handeln zu verdeutlichen, oder sich einer Lehrkraft anzuvertrauen, die dann den richtigen Weg zur Problemlösung mit überlegt. Machen Sie Ihrem Kind bitte klar, dass es kein Petzen ist, wenn man unaufhörliche Demütigungen von Mitschülern (oder Lehrern) nicht duldet, sondern im Gegenteil, dass jeder, der nichts unternimmt, mitverantwortlich ist für das, was da im Einzelfall geschieht.

  3. Am besten wäre es natürlich, wenn kein Schüler sich verleiten ließe, die Schwäche eines Mitschülers für die eigenen Machtspielchen auszunutzen. Aber junge Menschen müssen auch erst Verhaltensmaßstäbe erlernen. Und so kommt es dann in Einzelfällen auch zu massiven Grenzüberschreitungen im Verhalten gegenüber vor allem solchen Mitschülern, bei denen man irgendetwas als Schwäche deklariert, um dann die eigene Überlegenheit zu demonstrieren. Falls Sie im Umfeld Ihres Kindes bemerken sollten, dass insbesondere immer wieder über ein Mitglied der Klassengemeinschaft in besonderer Weise herablassend gesprochen wird, nehmen Sie das dann doch vielleicht zum Anlass, mit Ihrem Kind richtige und faire Verhaltensweisen gegenüber Mitschülern zu erörtern, um bei Ihrem Kind Empathie zu erzeugen. Leider erfahren die Kinder heute durch die verschiedenen Medien, dass das Lästern und die Herabwürdigung anderer Menschen Alltagssport ist. Deshalb fehlen ihnen manchmal die angemessenen Maßstäbe und Korrektive. Sie als Eltern und wir als Lehrer haben deshalb auch die Verantwortung dafür, ihnen diese Maßstäbe zu vermitteln.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass die Lehrkräfte und die Schulleitung gemäß §3 des Schulgesetzes des Landes NRW ein eigenständiges Erziehungsrecht haben. In solchen Fällen, wie oben beschrieben, sind wir verpflichtet und haben auch das Recht, laut gewordenen Beschuldigungen nachzugehen und diese zu prüfen. Sie als Eltern werden selbstverständlich in solchen Fällen immer von uns ganz zeitnah informiert, nicht nur deshalb, weil das Schulgesetz es verlangt, sondern auch, weil es in unserem Interesse liegt, mit Ihnen gut zusammenzuarbeiten. Letztlich legen wir alle Maßnahmen und Gespräche so an, dass eine Friedensstörung oder ein Bruch der Schulordnung wieder geheilt wird. Dazu ist aber auf allen Seiten guter Wille erforderlich. Wir haben hier in den letzten Jahren generell die Erfahrung gemacht, dass Sie das als Eltern mittragen. Denn auch Sie verstehen den Klärungsprozess nicht als Angriff gegen das eigene Kind, sondern als einen Vorgang, der nach der Aufarbeitung zur Heilung führen soll. Auch hier möchte ich Sie bitten, Vertrauen zu uns zu haben und uns zu glauben, dass wir den Ehrgeiz haben, Recht zu tun und nicht neues Unrecht in die Welt zu setzen.

Und dass es uns mit der Friedenswahrung an unserer Schule und der Persönlichkeitsentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler sehr ernst ist, beweist vielleicht die Tatsache, dass wir zahlreiche Veranstaltungen zu dieser Thematik in unserer Schule anbieten. So konnten wir in diesem Schuljahr als Ergänzung zu den bereits etablierten Veranstaltungen in diesem Bereich zum ersten Mal für die Jahrgangsstufe 8 Projekttage zum Thema „Suchtprävention“ durchführen. Über den Erfolg werden wir Ihnen nach einer Evaluation berichten.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Seifen

(Schulleiter)