Irland - Ein halbes Jahr mal woanders Drucken E-Mail

Ich bin Timo und normalerweise gehe ich hier in Gronau zur Schule. Im letzten halben Jahr habe ich aber in Irland in einer Gastfamilie gelebt und bin dort auch zur Schule gegangen. Ich habe dort in einem typisch irischen Ort namens Callan mit ungefähr 2000 Einwohnern gewohnt. Dort bin ich auf die Jungenschule im Ort gegangen, mit 200 anderen Schülern. Der auffälligste Unterschied war natürlich die Schuluniform, die wir alle getragen haben, aber überraschenderweise störte die Uniform nicht so stark wie ich gedacht habe auch wenn die echt nicht die Schönste war.


Timo Irland 2015

 

Ich fand es da schon gewöhnungsbedürftiger, dass es eine reine Jungenschule war. Man hat auch fast alle Fächer jeden Tag, sodass der Spint dort zum Retter wurde, um nicht alle Bücher immer herumzuschleppen. Auf meiner Schule waren auch noch drei andere Austauschschüler(ATS), wodurch ich direkt Leute gefunden habe, denen es genauso ging wie mir. Am Wochenende habe ich auch oft was mit den anderen ATS unternommen und wir haben zusammen Irland entdeckt.
Was auch in der Schule richtig auffällig ist, dass fast jeder einen „Hurl“ dabei hat. Das ist der Holzschläger für DIE Sportart hier, nämlich Hurling. Hurling ist eine Mischung aus Baseball und American Football und wird auch mit eine Art Baseball gespielt. Es soll die schnellste und auch gefährlichste Teamsportart auf der Welt sein. Ich fand Hurling technisch sehr anspruchsvoll. Aber fast jeder Ire kann mit einem Hurl umgehen und liebt dieses Spiel. Lustiger weise habe ich auch im County des Rekordmeisters gewohnt, worauf alle immer sehr stolz waren.
Das Leben in einer Gastfamilie hat mir gut gefallen, weil man jeden Tag irgendwas Neues lernt. Meine Gasteltern sind wirklich nett lustig gewesen. Am Anfang habe ich ihre Witze nie verstanden, aber am Ende ging es dann gut und wir konnten zusammen lachen. Mit meiner Gastmutter konnte ich mich immer über irgendwelche Dinge zusammen aufregen und mit meinem Gastvater konnte ich mich dann richtig gut über Sport unterhalten und er hat mir auch viel über die irischen Sportarten beigebracht wie Hurling.
Ich hatte zwei kleine Gastgeschwister, mit denen ich am Ende auch ein richtiges Geschwisterverhältnis hatte. Mein Bruder Ollie (7) hat auch wie ich Fußball geliebt, sodass wir immer viel zusammen gekickt haben. Mit meiner Schwester Chloe habe ich mich gut verstanden und weil sie so neugierig war, konnte ich mich richtig gut mit ihr unterhalten.
Natürlich habe ich auch Weihnachten mit meiner Gastfamilie verbracht. Aber erst hatte ich richtig starkes Heimweh, weil Heiligabend, bis auf die im ganzen Haus verteilte Weihnachtsdeko, ein Tag wie jeder andere war und man darauf gepolt ist, dass irgendetwas gefeiert wird.
Der 25. war dann aber umso schöner, weil es dann die Geschenke von Santa und das traditionelle Weihnachtsessen gab, nämlich Truthahn mit „Filling“ und Kartoffeln. Und ich muss sagen: Das ist
richtig deliziös! Mir hat das Essen im Großen und Ganzen gut geschmeckt, nur gab es zu viele Kartoffeln. Kurtoffeln. Kultoffeln. Kultur. Irische Kultur.
Den Iren wird ja nachgesagt, dass sie ein gastfreundliches Volk seien und dies traf auch komplett auf meine Gastfamilie zu, von der ich mit offenen Armen empfangen und aufgenommen wurde.
Es stimmt auch, dass die Iren eher entspannt sind, was ich persönlich gut fand. Das merkt man schon bei den Bussen, die gut und gerne mal eine Stunde zu spät kommen und das ist dann keine Ausnahme. Und solange man nicht daran gehindert wird, tragen auch viele Iren einfach Jogginghosen in der Öffentlichkeit. Davon war auch schon mein kleiner Gastbruder ein großer Befürworter.
Natürlich gibt es in Irland auch richtig viele Pubs. Sogar kleinen Orten wie Callan gab es mindestens fünf Pubs und in den großen Städten sind auch in jeder Straße mindestens zwei Pubs anzutreffen. Leider bin ich erst fünfzehn, also konnte ich nicht richtig die irische Pub-Kultur sehen, aber ich habe oft mit anderen Austauschschülern Fußballspiele im Pub geguckt, solange sie vor 21 Uhr waren, denn dann müssen Minderjährige raus. Ich hätte gerne auch mal irische Live-Musik in einem Pub gehört.
Zum Land selbst muss ich sagen, dass es zwar wirklich oft regnet und der Sommer auch nicht so lange ist, aber Irland hat auch richtig viele schöne Seiten. Diese konnte ich in der „Mid Term Break“ (Herbstferien) mit ein paar anderen Austauschschülern aus Callan im Urlaub an der Westküste kennenlernen. Erstens ist die Stadt Galway dort richtig schön und irisch und das Nachtleben da ist auch echt beeindruckend, vor allem weil wir da an Halloween waren und sie liegt zudem direkt am Meer.
An der Westküste sind auch die Cliffs of Moher. Das sind die ganz hohen Klippen, die man vielleicht von Postkarten kennt. In echt sind sie einfach tausendmal beeindruckender, weil sie wirklich hoch sind und man auch direkt an den Rand heran gehen kann. Dieses Gefühl, einfach vor dem offenen Ozean auf einer riesigen Klippe zu sitzen, ist atemberaubend. Zum Glück hatten wir an dem Tag auch richtig gutes Wetter, sodass der Besuch umso schöner war. Wir waren auch auf den Aran Islands, wo sogar noch Irisch als erste Sprache gesprochen wird. Dort gab es ebenfalls riesige Klippen und richtig große, beeindruckende Wellen an der Küste zu bestaunen.
Schlussendlich war es der Austausch auf jeden Fall wert und ich habe ihn nie bereut, weil ich so viele neue Leute und Nationalitäten kennengelernt und neue Dinge gesehen habe. Und man glaubt gar nicht, wie viel man über eine Kultur lernen kann und wie wenig man doch eigentlich darüber weiß, wenn man nie dort war, um es selber zu erleben!
Timo Kohlhoff, 23. März 2016