WvSG-Aktuell

Zutritt zur Schule

Aufgrund der Cornaschutzverordnung gilft folgende Regelung: Das Betreten der Schule ist nur geimpft, genesen oder mit einem gültigen Bürgertest erlaubt!

Die Schülerinnen und Schüler und die Beschäftigten der Schule werden in der Schule regelmäßig getestet!

Aktueller Hinweis: Der Elternsprechnachmittag am Montag, 22.11., wird digital durchgeführt! 

Woche der Erinnerung - das WvSG setzt sich ein

Stolpersteinreinigung von Betty Son durch den Geschichte-Zusatzkurs der Q2 (Lehrerin Ines Springer)

„Ein richtig gutes Gefühl, wenn der Stein wieder glänzt und den Fußgängern ins Auge sticht“, kommentierten die Schülerinnen und Schüler des Zusatzkurses Geschichte des Abiturjahrgangs die am Dienstag, dem 2.11., die diesjährige Reinigung der Stolpersteine in Erinnerung an die ermordeten jüdischen Mitbürger der Stadt Gronau vornahmen.

Die kleinen, in den Boden eingelassenen Erinnerungstafeln zu reinigen, ist vor allem ein Akt des Respekts und der Mahnung vor Unmenschlichkeit, die auch vor unserer Haustür passiert ist und die in Erinnerung behalten werden muss, um sie niemals zu wiederholen. 

Die Reinigung erfolgte von diesem Jahr an durch das Werner-von-Siemens-Gymnasium und nicht mehr durch die Realschule, da Betty Son die Mutter von Henriette Son war, einer ehemaligen Schülerin des Gymnasiums Gronau. Die Geschichte der Familie Son wird vom Gymnasium mit einem besonderen Schwerpunkt aufgearbeitet.

 

Stolpersteinreinigung in der Morgensternsiedlung durch den die Klasse 9d (Lehrer*innen Okka Janssen-Rüße und Stephan Tessarek)

Am Mittwoch, dem 3.11., machte sich die 9d des Werner-von-Siemens-Gymnasiums mit ihren Lehrkräften Frau Janssen-Rüße und Herrn Tessarek auf den Weg in die Morgensternsiedlung, wo von den Schülerinnen und Schülern fünf Stolpersteine so gereinigt wurden, dass nun wieder das Auge darüber „stolpern“ kann. „Die Geschichte von Jenni Kokkeling, Grete Kusper, Carl und Elli Domke und Georg Johann Fischer soll nicht in Vergessenheit geraten“, so eine Aussage von Lehrerin Jannsen-Rüße.

 

Stolpersteinreinigung von Rudolf Steffens in der Michaelstraße 5 durch Sarah Amo und Ravza Aksu aus dem Geschichte-Zusatzkurs der Q2 von Herrn Lücke

Am 10. November 2021 reinigten zwei Schülerinnen des angehenden Abiturjahrgangs den Stolperstein von Rudolf „Rudi“ Steffens im Gronauer Westen. Auf dem Weg von der Schule nach Hause befreiten sie den Stolperstein von den Wettereinwirkungen mit Hilfe eines Metallreinigers, eines Schwammes und einer Flasche Wasser. Nun glänzt dieses Zeugnis des Respekts für Rudi Steffens wieder, der ein politisch Verfolgter während der Zeit des Nationalsozialismus war. Als KPD-Mitglied leistete er Widerstand gegen die NS-Diktatur. Er kämpfte in Spanien gegen die Franco-Anhänger, wurde 1943 in Marseille verhaftet und der Gestapo Münster überstellt. Nach einem Aufenthalt im KZ Dachau starb er am 22.4.1945 in einem Außenlager des KZ Mauthausen in Österreich.

 

Erläuterung zu der Rede von Anouk Albers aus dem Geschichte-Zusatzkurs der Q2 von Frau Springer

Am 9. November 2021 fand die zentrale Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Reichspogromnacht von 1938 auf dem Gronauer Kurt-Schumacher-Platz statt. Zahlreiche Gäste, darunter etwa 30 Schülerinnen und Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, legten am Gedenkstein für die Opfer des Pogroms weiße Rosen nieder. Den Beitrag für die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums trug Anouk Albers aus der Q2 vor. Sie hatte die Rede vorher selbst geschrieben. Unterstützt wurde sie dabei von drei Mitschüler*innen, die aktuelle Schlagzeilen der Tagesschau zu antisemitischen Vorfällen aus dem Jahr 2021 vorlasen. Anouk gelang in ihrem Vortrag eine sehr eindrückliche Schilderung der Vorgänge um die Reichspogromnacht, indem sie die anwesenden Zuhörer*innen darum bat, sich vorzustellen, selbst entrechtet und verfolgt zu werden, einschließlich der Familie, der Freunde und Bekannten. Sie appellierte daran, nicht zu vergessen, dass dies vor 80 Jahren passierte und zu verhindern, dass so etwas wieder passieren kann. 

Die Rede Anouks geben wir hier ungekürzt wieder:

 

Die Reichspogromnacht

Stellen sie sich das einmal vor: Jeder der hier anwesenden Menschen, so wie auch jeder andere Mensch, darf von jetzt an mit ihnen anstellen was er will. Wobei, nicht nur mit ihnen. Mit ihrer Gemeinde, ihrer Kirche, ihrer Familie und ja, sogar mit ihren Kindern. Egal, ob die Menschen sie misshandeln, verspotten oder sogar töten. Ihnen wird niemand helfen. 

Zeugen? Die wird es nicht geben. Keiner habe etwas gesehen, gehört oder mitbekommen. Hilfe? Die kriegen sie erst recht nicht. Ihnen zu helfen wäre viel zu gefährlich. Und Recht? Das gibt es für sie nicht mehr. Auch die Polizei wird ihnen nicht beistehen. Der Freund und Helfer macht vermutlich sogar mit.

Sie sind nun also hilflos, machtlos und ihr Leid vermutlich grenzenlos. Unmögliche Vorstellung, nicht wahr? 

Doch es wäre nicht das erste Mal in unserer Geschichte, dass Menschen so ein Leid ertragen müssten.

Vor 80 Jahren sah so das Leben vieler unschuldiger Menschen, vor allem das der Juden, aus. Es ist der Grund, weshalb wir uns heute hier versammelt haben, die Reichspogromnacht. Die Nacht, in der die Juden endgültig jegliches Recht verloren haben.

Die Nacht, die niemals in Vergessenheit geraten darf. 

Man brannte ihre Synagogen nieder. Man zerstörte ihre Existenzen. Man nahm ihnen ihre Familien.

Zeugen? Die sahen weg. Hilfe? Die gab es für Juden nicht. Und Recht? Na, das hatten sie von nun an verloren.

Mehr als 1400 Synagogen brannten in dieser Nacht nieder, viele weitere Zerstörungen folgten im Laufe des Zweiten Weltkrieges.

Um sich die Auswirkungen vor Augen führen zu können: vor dem Zweiten Weltkrieg standen in Deutschland ca. 2800 Synagogen. 

2018 sind es gerade einmal 101 Synagogen. 

Des Weiteren sind 91 Juden in dieser Nacht umgekommen. 30.000 wurden verhaftet und in Folge darauf in Konzentrationslager gebracht. Um sich diese Zahlen vorstellen zu können: Gronau hat gerade einmal knapp 50.000 Einwohner.

Aber 80 Jahre her…was hat das denn jetzt mit uns zu tun?

Wir tragen Verantwortung. Meine Großeltern tragen sie, meine Eltern tragen sie…und auch ich habe Verantwortung zu tragen.

Antisemitismus ist längst kein Schnee von gestern. Er ist stets präsent. Auch wenn es nicht immer direkt vor unseren Augen passiert, wir dürfen sie niemals wieder davor schließen.

Die Tagesschau berichtet: "Angriff auf Synagoge in Halle: Klares Geständnis, keine Reue", "Staatsschutz ermitelt: Angriff auf Mann, der jüdische Kopfbedeckung trug", "Schwerverletzter nach antisemtischem Angriff" oder "Staatsschutz ermittelt: Anschlag auf Synagoge in Ulm". 

Diese Schlagzeilen sind weder 70, noch 80 Jahre her.  Es sind Schlagzeilen aus dem Jahr 2021. 

Das Thema ist aktuell. Antisemitismus existiert immer noch. Auf offenen Straßen, vor geschlossenen Augen. Es darf niemals vergessen werden, was damals passiert ist. 

Es betrifft meine Großeltern, meine Eltern, mich…und es wird auch meine Kinder betreffen. Es ist Teil unserer Geschichte. Wir tragen keine Schuld, aber wir tragen Verantwortung.

Danke. 

Anouk Albers